Cellulite: (K)ein Kraut gegen Orangenhaut?

Doch die meisten Methoden versprechen mehr als sie halten können.

Es trifft fast nur Frauen...

Von der Cellulite sind fast nur Frauen betroffen, weil sie von der Natur mit stärker dehnbarem Bindegewebe ausgestattet sind. Bei Männern ist das Bindegewebe kreuzförmig verstrebt und deshalb grundsätzlich straffer. Bei Frauen dagegen laufen die Bindegewebsstränge parallel und geben den Fettkompartimenten daher viel weniger Halt.

Wenn sich diese Fettzellhaufen durch Fehlernährung prall füllen, drücken sie auf Blutgefäße und Lymphbahnen. Die Sauerstoff-Versorgung leidet, Stoffwechsel-Schlacken werden schlechter abtransportiert und Flüssigkeit staut sich im Gewebe. Die Haut wird großporig und bekommt die gefürchteten Dellen. Für Millionen Frauen eine oft erhebliche psychische Belastung. Einige hoffen mit Hilfe einer Operation das Problem wieder loszuwerden.

Operation soll die Haut wieder straffen

Mit stricknadeldünnen Kanülen werden in der ersten Phase sechs Liter Kochsalzlösung zusammen mit Schmerzmitteln gleichmäßig in alle Problemzonen an Hüfte und Oberschenkeln gespritzt.

In einer Stunde Einwirkzeit bringt die Salzlösung die Fettzellen zum Platzen, das ölige Fett wird freigesetzt. In Phase zwei wird das Fett-Blut-Gemisch abgesaugt. Mit winzigen Messern in der Kanülenspitze können zusätzlich Bindegewebsstränge durchtrennt werden. Dem Cellulite-Gewebe wird buchstäblich der Boden entzogen:

Dr. Witzel, Deutsche Gesellschaft für ästhetisch- Plastische Chirurgie: - Ich erkläre den Patienten immer: das ist so, als ob aus Pulverschnee Pappschnee würde. Scherengitterartig sackt es in sich zusammen und festigt sich in der Tiefe. Dadurch hat man eine relativ feste Schicht im Unterhautfettgewebe und die elastische Haut legt sich glatt an. Sie wird nach der Operation durch entsprechende Bandagen und Miederhosen komprimiert . -

Die Stützhosen müssen 8 Wochen getragen werden. Der kosmetische Erfolg lässt sich erst nach der Abheilung, etwa sechs Monate später, abschätzen. Eine Patientientin, ist knapp fünf Monate nach dem Eingriff, der etwa 15.000 DM gekostet hat, zufrieden.

Cellulite: (K)ein Kraut gegen Orangenhaut?, II

Der Kampf um die Cellulite-Kundschaft tobt vor allem in Parfümerien und Apotheken. 200 Millionen Mark jährlich werden auf dem Markt der Hoffnung allein in Spezial-Cremes und Lotionen investiert.

Testurteil - ungenügend - für alle getetesteten Cellulite-Cremes

Die Stiftung Warentest hat 1996 die sechs Marktführer mit wissenschaftlicher Gründlichkeit getestet. 180 Frauen mit exakt vermessener und fotografierter Cellulite haben acht Wochen lang jeweils ein Cellulite-Mittel auf ein Bein aufgetragen und gegen eine Bodylotion am anderen Bein getestet.

Die Wirkung war gleich - Null - : Das Testurteil lautete - ungenügend - für alle Cellulite-Cremes. Bei Literpreisen bis 400 Mark fand die - Tiefenwirkung - nur im Portemonnaie statt.

Frau Lüders, Stiftung Warentest, Berlin: - Das ist das Problem bei jeder Creme. Sie wird äußerlich aufgetragen, und die Wissenschaft bezweifelt, dass sie dahin gelangt, wo sie wirken muss, nämlich zu den vergrößerten Fettzellen und bis zum Bindegewebe. Ob es Efeu-, ob es Seetangprodukte sind, Gingko oder wie sie alle heißen - äußerlich aufgetragen bestehen die größten Zweifel, dass sie überhaupt das erreichen können, was mit ihnen versprochen wird. -

Eine neue Haut-Emulsion versprach - wieder einmal - Cellulite an der Ursache zu packen. PRAXIS hat deshalb Anfang Februar 1998 einen Acht-Wochen-Test gestartet: Fünf Frauen mit leichter Cellulite haben - Lipofactor - nach Vorschrift zweimal täglich aufgetragen. Die französische Pharmafirma behauptet, zwei - Schalter - für die Fettzellen gefunden zu haben: Werden diese Schalter durch den - Bio-Complex - der Lotion besetzt, wird Fett in den Zellen abgebaut. In Firmentests liegt die Erfolgsrate angeblich bei 60 Prozent. Trotz exakter Anwendung waren die fünf PRAXIS-Testerinnen allerdings eher ernüchtert.

Wirksamkeiten von Aromatherapien und Wärmebehandlungen sind nicht nachgewiesen

Nichts als leere Versprechungen - oder gibt es doch schärfere Waffen? - Anti-Cellulite-Wochenenden - bietet eine Beautyfarm im hohen Norden an und verspricht Erfolge. Kernstück des Programms sind Aromaöl-Anwendungen. Von Kopf bis Fuß mit duftenden ölen eingerieben, wird die Kundin in Folien und Tücher gewickelt. Eine Dreiviertel Stunde unter der Wärmelampe sorgen dafür, dass der Kreislauf auf Touren kommt und der Schweiß aus allen Poren rinnt.

Doch weder für Sauna, noch für Aromawickel oder solche Lymphdrainagen gibt es einen eindeutigen Wirksamkeitsnachweis bei Cellulite. So sollte man die Anwendungen mit Einzelpreisen von 120 - 150 DM eher als Verwöhnaktion denn als ursächliche Therapie betrachten.

Der PRAXIS-TIPP gegen Cellulite:

Das Fazit: Wundermittel gegen Cellulite gibt es nicht. Eingecremt ist meist nur angeschmiert. Cremes sind höchstens Balsam für die angeknackste Seele. Mühelos zurück zur Pfirsichhaut - das bleibt wohl nur ein Traum....

Ehe Sie also zu den teuren Mitteln greifen, versuchen Sie es mal mit unseren meist kostenlosen aber gesunden Tipps:

Vorbeugen ist besser als kurieren: Deshalb, machen Sie keine Radikal-Diäten sondern halten Sie Ihr Wohlfühlgewicht. Regelmäßig Sport tut der Figur und der Gesundheit gut, am besten regelmäßig und an der frischen Luft. Besonders günstig sind Ausdauersportarten wie Laufen, Schwimmen oder Radfahren.

Rauchen verschlechtert die Hautdurchblutung.